Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. (Jes 53:5, Schlachter)
Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen auf dem Holz, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen; durch seine Wunden seid ihr heil geworden. (1.Petr 2:24, Schlachter)
Heile du mich, HERR, so werde ich heil! Hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm! (Jer 17:14, Schlachter)
Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist;(Luk 19:9, Elb)
Mit dem Begriff „heiler Mensch“ soll im folgenden Beitrag keine moralische Qualität oder gar der Zustand menschlicher Vollkommenheit angesprochen werden. Um den Begriff „heil“ in seiner hier gemeinten Vielfalt zu beschreiben, sind zunächst einige sprachliche Abgrenzungen notwendig:
Der heile Mensch wird hier verstanden als der neue, wiedergeborene, gerettete Mensch. Heilsein im Sinne des Evangeliums heißt: erlöst sein, gerettet sein, einen Heiland haben. Auch im deutschen Sprachgebrauch hat das Wort „heil“ mehrere Schichten die mitschwingen, wenn wir den Ausdruck gebrauchen.
Heil heißt: ganz, unzerstört und völlig in Ordnung. In unserem Sprachgebrauch kennen wir noch „heilfroh“, d. h. Ganz froh. (Im Plattdeutschen bei Fritz Reuter finden wir „heil und deil“, d. h. Ganz und gar.)
Heil heißt: geheilt und dadurch nicht mehr an sich leidend. Hier liegt das Ziel der Erlösung, das mit der Bekehrung angestrebt wird, die Befreiung von sich selbst und allem, was sich an Not um das eigene Selbst angesiedelt hat.
Heil heißt: Heil wirken im Sinne von Frieden stiften. Von jedem Jünger Jesu sollte eine heilende Wirkung auf seine Umgebung ausgehen.
Heil heißt: im Sinne der Seligpreisungen in der Bergpredigt „der unter der Verheißung Stehende“.
In manchen modernen Übersetzungen wird „Selig sind...“ übersetzt. Zu der sprachgeschichtlichen Entwicklung gehört noch der Zusammenhang von heil und heilig (im Englischen whole und holy). Das ursprüngliche germanische
„heila“ heißt gesund. Wir finden es noch in den deutschen Städtenamen Heilbronn, Heiligenstadt, Heiligenhafen etc.
Die Bedeutung von heilig ist: Jemandem zu eigen gehören, ihm geweiht sein, zu besonderen Diensten ausgesondert sein.
In all diesen sprachlichen Bedeutungen des Wortes spüren wir den Zusammenhang zwischen dem heilen Menschen und dem, der ihn heilt oder ihm zum Heil geworden ist. Es gibt kein Heilsein aufgrund irgendeiner eigenen Anstrengung. Es wird auch deutlich, daß der heile Mensch nicht der perfekte Mensch ist, sondern der, der sich auf dem Weg des Heilwerdens befindet. …
(Wilhard Becker, „Diktiert von der Freude,“ 1970)
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